Bohren von Aluminium: Das gibt es zu beachten
Lesedauer ca. 6 Minuten
Aluminium lässt sich grundsätzlich gut bohren – vorausgesetzt, Werkzeug, Schnittgeschwindigkeit und Spanabfuhr passen zusammen. Gerade bei weicheren Aluminiumlegierungen kann das Material jedoch an der Schneide oder in den Spannuten anhaften. Dadurch können Aufbauschneiden entstehen, die Bohrungsqualität verschlechtert sich und die Späne werden schlechter abgeführt.
In diesem Ratgeber zeigen wir Dir, welcher Bohrer für Aluminium geeignet ist, warum eine TiN-Beschichtung nicht automatisch die beste Wahl ist, wie Du die passende Drehzahl bestimmst und worauf Du beim Bohren von Profilen, Rohren und Aluminiumplatten achten solltest.
Inhalt

Das Wichtigste in Kürze
-
+
Verwende einen scharfen Metallbohrer mit einer für Aluminium beziehungsweise NE-Metalle geeigneten Schneidengeometrie.
-
+
Unbeschichtete Werkzeuge mit glatten oder polierten Spannuten sind für Aluminium häufig eine gute Wahl.
-
+
Die Drehzahl richtet sich nach Bohrerdurchmesser, Werkzeug, Aluminiumlegierung und empfohlener Schnittgeschwindigkeit.
-
+
Ein für Aluminium geeignetes Schneid- oder Bohröl kann Reibung, Materialanhaftung und Wärmeentwicklung reduzieren.
Welcher Bohrer eignet sich für Aluminium?
Für typische Arbeiten in der Werkstatt oder beim DIY eignen sich scharfe Spiralbohrer aus HSS oder HSS-E, sofern ihre Geometrie für Aluminium beziehungsweise NE-Metalle geeignet ist. Entscheidend sind dabei weniger die Bezeichnung des Schneidstoffs als scharfe Schneiden, eine geeignete Geometrie, glatte Werkzeugoberflächen und eine gute Spanabfuhr.
Bei professionellen Anwendungen, hohen Stückzahlen oder entsprechend stabilen Maschinen kommen außerdem speziell für Aluminium ausgelegte Hartmetallbohrer zum Einsatz.
Wichtige Merkmale eines für Aluminium geeigneten Bohrers sind insbesondere:
- scharfe Schneidkanten
- eine für Aluminium beziehungsweise NE-Metalle geeignete Schneidengeometrie
- glatte beziehungsweise polierte Spannuten
- gute Spanabfuhr
- eine möglichst geringe Neigung zu Materialanhaftungen
Aluminium kann während der Bearbeitung an der Werkzeugoberfläche anhaften. Besonders bei weichen und langspanenden Legierungen kann dadurch eine sogenannte Aufbauschneide entstehen. Sie verändert die wirksame Schneidengeometrie während der Bearbeitung und kann zu schlechteren Bohrungsoberflächen, höherer Reibung und Problemen bei der Spanabfuhr führen.
Nicht nur auf den Spitzenwinkel schauen
Für Aluminium gibt es unterschiedliche Bohrergeometrien. Ein bestimmter Spitzenwinkel allein macht einen Bohrer deshalb noch nicht zum Aluminiumbohrer. Schneidkantengeometrie, Spanraum, Oberflächenqualität und die Empfehlung des Werkzeugherstellers sind mindestens genauso wichtig.
Beschichteter oder unbeschichteter Bohrer für Aluminium?
Eine Werkzeugbeschichtung ist nicht automatisch besser. Gerade bei Aluminium sind sehr glatte Werkzeugoberflächen und eine geringe Neigung zur Materialanhaftung besonders wichtig.
Für viele typische Aluminiumlegierungen sind deshalb scharfe, unbeschichtete und möglichst polierte HSS-, HSS-E- oder Hartmetallwerkzeuge eine gute Wahl.
Ist eine TiN-Beschichtung für Aluminium geeignet?
Eine klassische TiN-Beschichtung sollte nicht pauschal als bevorzugte Beschichtung für Aluminium empfohlen werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder TiN-beschichtete Bohrer für Aluminium grundsätzlich ungeeignet ist.
Bei der Aluminiumbearbeitung ist vor allem wichtig, Materialanhaftung und Aufbauschneiden möglichst zu reduzieren. Deshalb werden speziell für Aluminium häufig unbeschichtete, polierte Werkzeuge oder Beschichtungen eingesetzt, die gezielt auf geringe Reibung beziehungsweise eine geringe Wechselwirkung mit Aluminium ausgelegt sind.
Bei professionellen Werkzeugen kommen beispielsweise folgende Lösungen zum Einsatz:
- unbeschichtete, polierte Werkzeuge für eine gute Spanabfuhr und geringe Materialanhaftung
- TiB₂-Beschichtungen bei speziell für Aluminium entwickelten Werkzeugen
- DLC-Beschichtungen mit geringer Reibung und guten Antiadhäsionseigenschaften
- weitere speziell auf Aluminium abgestimmte Werkzeug- und Beschichtungssysteme
Welche Lösung am besten passt, hängt vom konkreten Werkzeug, der Aluminiumlegierung und dem Bearbeitungsfall ab. Entscheidend ist deshalb nicht einfach die Frage „beschichtet oder unbeschichtet?“, sondern ob das Werkzeug vom Hersteller für die jeweilige Anwendung in Aluminium vorgesehen ist.
Welche Drehzahl ist beim Bohren von Aluminium richtig?
Die einfache Regel „Aluminium immer mit niedriger Drehzahl bohren“ ist technisch zu pauschal. Entscheidend ist vielmehr die passende Schnittgeschwindigkeit.
Die erforderliche Drehzahl ergibt sich aus der empfohlenen Schnittgeschwindigkeit und dem Durchmesser des Bohrers:
n = (1000 × vc) / (π × d)
n = Drehzahl in min⁻¹ | vc = Schnittgeschwindigkeit in m/min | d = Bohrerdurchmesser in mm
Das bedeutet: Ein kleiner Bohrer benötigt bei gleicher Schnittgeschwindigkeit eine höhere Drehzahl als ein großer Bohrer. Deshalb ist eine einzige Drehzahlempfehlung für alle Aluminiumbohrungen nicht sinnvoll.
Welche Schnittgeschwindigkeit tatsächlich passt, hängt unter anderem ab von:
- Aluminiumlegierung
- Bohrerwerkstoff
- Bohrergeometrie und Beschichtung
- Bohrerdurchmesser
- Bohrtiefe
- Kühlung beziehungsweise Schmierung
- Maschine und Spannung des Werkstücks
Am besten orientierst Du Dich an den Schnittdaten des Werkzeugherstellers. Diese berücksichtigen das konkrete Werkzeug wesentlich besser als eine allgemeine Drehzahltabelle.
Langsam ist nicht automatisch schonender
Eine unnötig niedrige Schnittgeschwindigkeit löst Probleme bei Aluminium nicht automatisch. Je nach Werkzeug und Bearbeitung können Materialanhaftungen oder Aufbauschneiden weiterhin auftreten. Deshalb sollten Drehzahl und Vorschub immer gemeinsam betrachtet werden.
Schmierung und Spanabfuhr beim Aluminiumbohren
Beim Bohren entstehen Reibung und Wärme. Gleichzeitig müssen die Späne zuverlässig aus der Bohrung transportiert werden. Ein für die Aluminiumbearbeitung geeignetes Schneid- oder Bohröl kann dabei helfen, Reibung und Materialanhaftungen zu verringern.
Besonders wichtig ist eine gute Spanabfuhr. Bleiben Aluminiumspäne in den Spannuten hängen, steigt die Reibung und das Werkzeug kann schlechter schneiden.
Bei tieferen Bohrungen kann es deshalb sinnvoll sein, den Bohrer zwischendurch zurückzuziehen und die Späne zu entfernen. Bei professionellen Tieflochbohrern unterstützen speziell ausgelegte Spannuten und gegebenenfalls eine innere Kühlmittelzufuhr die Spanabfuhr.
Bohr- und Schneidöl für Aluminium
Das von uns angebotene WEICON Bohr- und Schneidöl-Spray ist laut Hersteller unter anderem für das Bohren und Bearbeiten von Aluminium und Aluminiumlegierungen geeignet.
Bohr- und Schneidöl ansehenAluminium richtig bohren – Schritt für Schritt
1. Bohrstelle markieren
Markiere zunächst die Position der Bohrung. Bei ausreichend dickem Material kann ein leichter Körnerpunkt helfen, den Bohrer beim Ansetzen zu führen. Bei dünnen Blechen sollte das Ankörnen vorsichtig erfolgen, damit sich das Material nicht verformt.
2. Werkstück sicher befestigen
Das Aluminium sollte sich während des Bohrens nicht drehen, verrutschen oder hochziehen können. Spanne Profile, Rohre oder Platten deshalb sicher ein und verwende bei Bedarf eine geeignete Unterlage.
3. Passenden Bohrer auswählen
Verwende einen scharfen Metallbohrer, der für Aluminium beziehungsweise NE-Metalle geeignet ist. Stumpfe Schneiden erhöhen Reibung und können zu unsauberen Bohrungen führen.
4. Schnittdaten einstellen
Stelle die Drehzahl passend zu Werkzeugdurchmesser und empfohlener Schnittgeschwindigkeit ein. Wenn der Hersteller des Bohrers konkrete Schnittdaten vorgibt, solltest Du Dich an diesen orientieren.
5. Geeignetes Schmiermittel verwenden
Trage bei Bedarf eine kleine Menge eines für Aluminium geeigneten Bohr- oder Schneidöls auf die Bohrstelle auf. Das kann Reibung und Materialanhaftung reduzieren und die Bearbeitung erleichtern.
6. Mit gleichmäßigem Vorschub bohren
Führe den Bohrer gleichmäßig durch das Material. Zu wenig Vorschub kann dazu führen, dass der Bohrer mehr reibt als schneidet. Übermäßiger Druck belastet dagegen Werkzeug, Werkstück und Maschine.
Entscheidend ist, dass sich ein kontrollierter Span bildet und zuverlässig abgeführt wird.
7. Späne entfernen
Bei tieferen Bohrungen solltest Du darauf achten, dass die Spannuten nicht mit Aluminiumspänen zugesetzt werden. Unterbrich die Bearbeitung bei Bedarf und entferne die Späne sicher.
8. Bohrung entgraten
Nach dem Bohren können an Ein- und Austrittsseite Grate zurückbleiben. Diese lassen sich beispielsweise mit einem geeigneten Entgrater oder Senker entfernen.
Sicherheit beim Bohren
Trage beim Bohren eine Schutzbrille und halte Hände von rotierenden Werkzeugen und scharfkantigen Spänen fern. Das Werkstück sollte immer sicher fixiert sein. Lose Kleidung, Schmuck und lange Haare dürfen nicht in den Arbeitsbereich rotierender Werkzeuge gelangen.
Dünnes Aluminiumblech und große Löcher bohren
Bei dünnen Aluminiumblechen gelten teilweise andere Anforderungen als bei dicken Platten oder massiven Profilen. Dünnes Material kann sich leichter verformen oder beim Durchbruch vom Bohrer erfasst werden.
Für größere Löcher in dünneren Blechen können je nach Anwendung beispielsweise Stufenbohrer oder spezielle Blechbohrer sinnvoll sein. Eine stabile Unterlage kann zusätzlich helfen, das Werkstück während der Bearbeitung abzustützen.
Bei großen Bohrdurchmessern solltest Du nicht automatisch mehrfach vorbohren. Ob ein Pilotloch erforderlich oder sinnvoll ist, hängt vom verwendeten Werkzeug ab. Beachte daher die Angaben des jeweiligen Werkzeugherstellers.
Aluminiumprofile und Rohre bohren
Beim Bohren von Aluminiumprofilen oder Rohren solltest Du besonders darauf achten, dass das Bauteil sicher gespannt ist. Bei dünnwandigen Rohren kann eine ungeeignete Spannung das Profil verformen.
Bei einem Durchgangsloch durch ein Rohr entstehen außerdem zwei Materialdurchbrüche. Der Bohrer sollte deshalb kontrolliert geführt werden, insbesondere wenn er auf der gegenüberliegenden Rohrwand erneut in das Material eintritt.
Weitere Grundlagen zur Bearbeitung findest Du in unserem Ratgeber Aluminium bearbeiten: Werkzeuge & Techniken.
Häufige Fehler beim Bohren von Aluminium
| Fehler | Besser |
| TiN pauschal als beste Beschichtung wählen | Werkzeuggeometrie und Oberfläche passend zu Aluminium wählen; häufig eignen sich unbeschichtete, polierte oder speziell beschichtete Werkzeuge |
| HSS-E automatisch als besser für Aluminium ansehen | Auf scharfe Schneiden, geeignete Geometrie, glatte Oberflächen und gute Spanabfuhr achten |
| Drehzahl grundsätzlich stark reduzieren | Schnittgeschwindigkeit passend zu Werkzeug, Durchmesser und Legierung wählen |
| Mit stumpfem Bohrer weiterarbeiten | Scharfe Schneiden verwenden und Werkzeugzustand prüfen |
| Werkstück mit der Hand festhalten | Werkstück sicher einspannen |
| Spanabfuhr ignorieren | Spannuten und Bohrung frei halten und bei tiefen Bohrungen Späne regelmäßig entfernen |
| Mit sehr wenig Vorschub nur auf der Oberfläche reiben | Gleichmäßigen, zum Werkzeug passenden Vorschub verwenden |
| Beliebiges Metallbearbeitungsöl einsetzen | Ein ausdrücklich für Aluminium geeignetes Schneid- oder Bohröl verwenden |
FAQ – Aluminium bohren
Kann man Aluminium problemlos bohren? ▸
Ja. Aluminium lässt sich grundsätzlich gut bohren. Wichtig sind ein scharfer geeigneter Metallbohrer, passende Schnittdaten, eine sichere Werkstückspannung und eine gute Spanabfuhr.
Welcher Bohrer ist für Aluminium geeignet? ▸
Für viele Arbeiten eignen sich scharfe HSS- oder HSS-E-Spiralbohrer, sofern sie für Aluminium beziehungsweise NE-Metalle ausgelegt sind. Bei professionellen Anwendungen kommen auch spezielle Hartmetallbohrer zum Einsatz. Wichtiger als die reine Bezeichnung des Schneidstoffs sind Schneidengeometrie, Schärfe, Oberflächengüte und Spanabfuhr.
Ist HSS-E besser für Aluminium als HSS? ▸
Nicht automatisch. Für Aluminium sind insbesondere scharfe Schneiden, eine geeignete Geometrie, glatte beziehungsweise polierte Oberflächen und eine gute Spanabfuhr wichtig. Sowohl HSS- als auch HSS-E-Bohrer können geeignet sein, wenn sie für Aluminium beziehungsweise NE-Metalle ausgelegt sind.
Sollte ein Aluminiumbohrer beschichtet sein? ▸
Nicht zwingend. Unbeschichtete und polierte Werkzeuge sind für Aluminium häufig eine gute Wahl. Bei beschichteten Werkzeugen gibt es spezielle Lösungen wie TiB₂ oder DLC. Entscheidend ist, dass das Werkzeug vom Hersteller für Aluminium vorgesehen ist.
Ist TiN für Aluminium geeignet? ▸
Eine TiN-Beschichtung sollte bei Aluminium nicht pauschal als bevorzugte Lösung betrachtet werden, ist aber auch nicht grundsätzlich für jede Aluminiumbearbeitung ungeeignet. Für Aluminium sind vor allem geringe Materialanhaftung, scharfe Schneiden und eine gute Spanabfuhr wichtig.
Welche Drehzahl brauche ich beim Bohren von Aluminium? ▸
Es gibt keine universelle Drehzahl für Aluminium. Sie hängt von der empfohlenen Schnittgeschwindigkeit und vom Bohrerdurchmesser ab. Verwende möglichst die Schnittdaten des Werkzeugherstellers und berechne daraus die benötigte Drehzahl.
Muss man Aluminium beim Bohren kühlen oder schmieren? ▸
Eine für Aluminium geeignete Schmierung kann Reibung und Materialanhaftung reduzieren und die Spanabfuhr unterstützen. Ob und wie viel Schmiermittel erforderlich ist, hängt von Werkzeug, Legierung, Bohrtiefe und Bearbeitungssituation ab.
Warum klebt Aluminium am Bohrer? ▸
Aluminium kann bei der Zerspanung an Schneiden und Werkzeugoberflächen anhaften. Eine ungeeignete Werkzeuggeometrie, raue Spannuten, unpassende Schnittdaten oder eine ungünstige Schmierung können diesen Effekt verstärken und die Bildung von Aufbauschneiden fördern.
Muss ich große Löcher in Aluminium vorbohren? ▸
Nicht grundsätzlich. Bei manchen Werkzeugen ist ein Pilotloch sinnvoll oder vorgeschrieben, bei anderen nicht. Für größere Löcher in dünnen Blechen können beispielsweise Stufen- oder Blechbohrer geeigneter sein. Beachte die Angaben des Werkzeugherstellers.
Wie verhindere ich Grate beim Aluminiumbohren? ▸
Ein scharfes Werkzeug, passende Schnittdaten, eine sichere Spannung und gegebenenfalls eine Unterlage verbessern die Bohrungsqualität. Verbleibende Grate können anschließend mit einem geeigneten Senker oder Entgrater entfernt werden.
Noch mehr zur Aluminiumbearbeitung?
In unseren Aluminium Basics findest Du weitere Anleitungen zum Sägen, Biegen, Schweißen, Kleben und Bearbeiten von Aluminium.
Aluminium bearbeiten











