Aluminium‑Oberflächen: Eigenschaften, Unterschiede & Einsatzbereiche
Unbehandelte, bearbeitete und veredelte Aluminiumoberflächen im Überblick
Lesedauer 6 Minuten
Aluminium kann je nach Herstellungsprozess und Oberflächenbehandlung sehr unterschiedliche Eigenschaften, Strukturen und Optiken aufweisen. In diesem Beitrag erklären wir die wichtigsten Oberflächenzustände – vom unbehandelten Mill Finish über sägeraue oder plangefräste Flächen bis hin zu eloxierten oder gebürsteten Oberflächen – und zeigen, für welche Anwendungen sie sich eignen.
Inhalt

Das Wichtigste in Kürze
- „Mill Finish“ ist die rohe, unbehandelte Aluminiumoberfläche
- Bearbeitete Oberflächen unterscheiden sich stark in Struktur und Einsatz
- Eloxierte Flächen bieten Schutz, Glätte und Designvorteile
- Gebürstete Oberflächen erzeugen eine matte, strukturierte Optik
- Die Wahl der Oberfläche richtet sich nach Funktion, Optik & Weiterverarbeitung
Unbehandelte Oberflächenbeschaffenheit
Die Bezeichnung „unbehandelt“ bzw. „Mill Finish“ beschreibt Aluminiumoberflächen, die nach dem Herstellungsprozess keiner weiteren Bearbeitung unterzogen werden. Das bedeutet, dass sie weder gefräst, geschliffen noch eloxiert werden. Der optische Zustand solcher Oberflächen kann aufgrund von Unterschieden in den eingesetzten Maschinen und Herstellungsverfahren variieren.
Wesentliche Merkmale von „Mill Finish“ Aluminiumoberflächen:
- Der natürlicher Zustand entspricht dem Rohzustand des Materials nach dem Walzen oder Pressen.
- Es können optische Unterschiede wie sichtbare Spuren, z. B. Walzstrukturen oder Presslinien, auftreten.
- Wird oft in Anwendungen verwendet, bei denen die optische Qualität weniger entscheidend ist oder das Aluminium später weiterverarbeitet wird.
Aluminiumbleche zeichnen sich durch ihre charakteristische, hell-silberne Oberfläche aus. Eine feine Maserung entlang der Blechlänge ist oft sichtbar, was auf den Walzprozess zurückzuführen ist. Diese Maserung kann je nach Anforderungen in der Weiterverarbeitung durch Schleifen, Polieren oder andere Verfahren entfernt werden.
Aluminiumplatten besitzen eine matt-graue Oberfläche, die im Vergleich zu Aluminiumblechen etwas rauer ist. Häufig tragen sie Aufdrucke wie Materialnummern oder andere Spezifikationen, die während des Produktions- oder Lagerprozesses aufgebracht wurden. Diese Aufdrucke können bei Bedarf mit geeigneten Reinigungsmitteln entfernt werden.
Aluminiumbleche, -platten & -profile
Charakteristika von Aluminiumplatten:
- Matt-graue und leicht raue Oberfläche, wodurch sie robuster wirken als Aluminiumbleche.
- Aufgedruckte Informationen sind hilfreich für die Identifikation, können aber für ästhetische Anwendungen entfernt werden.
- Aluminiumplatten finden aufgrund ihrer stabileren Struktur oft in technischen oder industriellen Bereichen Anwendung.
Aluminiumprofile werden durch den Strangpressprozess hergestellt, wodurch ihre Oberfläche charakteristische feine Linien in Längsrichtung aufweisen kann. Diese Linien entstehen aufgrund des Pressvorgangs und sind ein typisches Merkmal von stranggepresstem Aluminium.
Eigenschaften von Aluminiumprofilen:
- Die Oberfläche der Profile, Winkel, Stangen und Rohre hat in der Regel einen matt-silbernen Farbton, der je nach Legierung und Verarbeitung variieren kann.
- Feine Linien entstehen durch die Strangpressung und sind in Längsrichtung sichtbar.
- Je nach verwendeter Legierung können einige Profile heller oder dunkler wirken. Dies hängt von der spezifischen Zusammensetzung des Aluminiums ab.
Beschaffenheit Sägerau
Die Oberflächenbeschaffenheit „sägeraue“ Aluminiumplatten ähnelt der „sägeraue“ von Holz. Sie entstehen, wenn Aluminiumplatten aus einem Aluminiumblock herausgeschnitten werden, häufig durch eine Säge. Diese Art der Bearbeitung hinterlässt sichtbare Spuren, die als „sägeraue“ Strukturen bezeichnet werden.
Merkmale der sägerauen Oberfläche:
- Die Oberfläche ist grob und zeigt die typischen Spuren der Säge, die beim Schneiden des Materials entstehen.
- Diese Platten werden oft dann verwendet, wenn die Oberflächenbearbeitung keine hohe ästhetische Bedeutung hat oder die Platten in weiteren Bearbeitungsprozessen (wie Fräsen oder Schleifen) weiterverarbeitet werden.
- Im Vergleich zu anderen Aluminiumoberflächen wie „gefräster“ oder „polierter“ Oberfläche ist die sägeraue Plattenoberfläche weniger glatt und weist mehr Struktur auf.
Die Unterscheidung zwischen „sägeraue“ und „gefräste“ oder „plangefräste“ Oberflächen ist daher besonders wichtig, wenn es um die Qualität und die weitere Bearbeitbarkeit des Materials geht.
Maschinell bearbeitete Oberflächen
Die maschinell bearbeitete bzw. plangefräste Aluminiumoberfläche ist eine bearbeitete Oberfläche, die nach dem Fräsen oder einer ähnlichen Maschinenbearbeitung sehr glatt und eben ist. Dieser Bearbeitungsschritt sorgt dafür, dass das Aluminiummaterial direkt einsatzbereit ist und keine weitere Oberflächenbehandlung mehr erforderlich ist, um es für bestimmte Anwendungen zu verwenden.
Eigenschaften der maschinell bearbeiteten Oberfläche:
- Die Oberfläche ist so glatt, dass sie für präzise Anwendungen geeignet ist, wie zum Beispiel die Verwendung als Scheibenbremsen für Fahrräder. Diese hohe Präzision und Glätte machen das Material für viele technische Anwendungen attraktiv.
- Im Gegensatz zu anderen Materialien, wie Stahl, benötigt Aluminium in diesem Zustand keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen gegen äußere Faktoren wie Feuchtigkeit oder Regen. Das Material ist robust und widerstandsfähig gegenüber Korrosion aufgrund der natürlichen Oxidschicht, die sich bildet.
- Die bearbeiteten Aluminiumplatten sind besonders für Anwendungen geeignet, bei denen eine gleichmäßige und glatte Oberfläche von entscheidender Bedeutung ist, und können in verschiedenen Branchen, wie im Maschinenbau, in der Luftfahrt oder im Fahrzeugbau, eingesetzt werden.
Die plangefräste Oberfläche wird häufig für hochpräzise Produkte verwendet, bei denen eine genaue Form und eine glatte Oberfläche erforderlich sind. Sie zeichnet sich durch hohe Qualität und Widerstandsfähigkeit aus.
Eloxierte Oberflächen
Eloxieren (oder auch Anodisieren) ist eine weit verbreitete Oberflächenbehandlung für Aluminium, bei der eine dünne, aber robuste Oxidschicht erzeugt wird. Dieser Prozess verbessert nicht nur die physikalischen Eigenschaften des Aluminiums, sondern verändert auch dessen Aussehen.
Vorteile von eloxiertem Aluminium:
- Das Aluminium erhält durch das eloxieren einen satin-silbernen Farbton, der besonders in Design- und Konsumgütern wie Smartphone-Gehäusen sehr beliebt ist.
- Eloxiertes Aluminium fühlt sich oft glatter und angenehmer an, was die Haptik verbessert.
- Die eloxierte Schicht schützt das Aluminium vor Feuchtigkeit und anderen Umwelteinflüssen und verhindert Rostbildung.
- Die porenfreie Oberfläche erleichtert die Reinigung und macht das Material resistenter gegenüber Bakterien und Verunreinigungen, was den Hygienestandard erhöht.
- Das Produkt erhält durch die Eloxalschicht nicht nur eine verbesserte Funktionalität, sondern auch eine ansprechende optische Aufwertung.
Gebürstete Oberflächen
Gebürstete Aluminiumoberflächen sind in der Tat das Ergebnis eines Schleifprozesses und nicht durch das Bürsten, wie der Name möglicherweise vermuten lässt. Dieser Effekt entsteht durch die Anwendung von Schleifmitteln, um sie mit feinen Linien oder Strukturen zu versehen, die das Licht reflektieren und eine matte, metallische Optik erzeugen.
Tipps zum Erzeugen einer gebürsteten Oberfläche:
- 320er-Körnung ist ein guter Startpunkt für eine gleichmäßige Struktur. Bei Bedarf können gröbere Körnungen wie 240 oder 180 verwendet werden.
- Für einen Edelstahl-ähnlichen Effekt kannst Du eine 800/1000er-Körnung verwenden und mit Metallpolitur nachpolieren.
- Stahlwolle kann als Alternative zu Schleifpapier verwendet werden und erzeugt eine feinere Struktur.
Mit diesen Methoden/Verfahren kannst Du selbst eine gebürstete Aluminiumoberfläche herstellen.
FAQ zum Thema Aluminiumoberflächen
Wie ist die Oberfläche von Aluminium?▸
Im Rohzustand ist Aluminium matt-silbern und kann Walz- oder Presslinien aufweisen („Mill Finish“). Je nach Behandlung – z. B. gebürstet, eloxiert oder plangefräst – verändert sich Struktur, Glanzgrad und Funktion.
Ist Aluminium matt oder glänzend?▸
Unbehandeltes Aluminium ist meist matt. Durch Polieren, Eloxieren oder spezielle Schleiftechniken (z. B. gebürstet) lässt sich ein glänzender oder strukturierter Look erzeugen.
Welche Aluminium-Oberflächen gibt es?▸
Typische Varianten sind:
• Mill Finish (roh/unbehandelt)
• Sägerau (technisch, mit Schnittspuren)
• Plangefräst (glatt, präzise)
• Eloxiert (robust & veredelt)
• Gebürstet (matte Strukturoptik)
Kugelgestrahlt / Glasperlenmatt
Chemisch oder elektrolytisch poliert
Pulverbeschichtet
Eloxal in Farbe oder Harteloxal
Wie reinigt man Aluminiumoberflächen?▸
Am besten mit einem weichen Tuch, warmem Wasser und neutralem Reiniger. Bei oxidierten Stellen hilft eine Mischung aus Essig & Wasser oder Spezialreiniger für Metalloberflächen. Eloxierte Flächen nie mit Scheuermitteln bearbeiten!
Wie bekomme ich oxidiertes Aluminium wieder blank?▸
Verwende Aluminiumreiniger, Zitronensäure oder Essiglösung, um Oxid zu entfernen. Anschließend mit weichem Tuch nachpolieren. Für stark angegriffene Flächen kann feines Schleifvlies (z. B. 320er Körnung) genutzt werden.
Wie kratzfest sind eloxierte oder gebürstete Aluminiumoberflächen?▸
Eloxiertes Aluminium ist sehr widerstandsfähig gegen Kratzer und Korrosion. Gebürstetes Aluminium wirkt robuster, ist aber empfindlicher gegenüber mechanischem Abrieb. Schutz durch Versiegelung oder klare Beschichtungen ist empfehlenswert.
Welche Aluminiumoberfläche eignet sich für den Außenbereich?▸
Eloxierte oder pulverbeschichtete Aluminiumoberflächen sind ideal für den Außenbereich: sie bieten Korrosionsschutz, UV-Beständigkeit und gute Optik. Rohes Mill Finish sollte dort vermieden oder behandelt werden.
Welche Oberflächenrauheit kann Aluminium erreichen?▸
Je nach Bearbeitung kann Aluminium sehr glatt (z. B. plangefräst: Ra < 1 µm) oder strukturiert (z. B. gebürstet oder sägeraue Platten: Ra > 10 µm) sein. Die Rauheit beeinflusst Haptik, Gleitverhalten und Lackhaftung.

